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zusammenLeben ohne Gewalt

Formen von Gewalt

Der Gewaltbegriff in der Wissenschaft

Der Gewaltbericht 2001 stützt sich auf den schwedischen Friedensforscher Galtung, der 1975 für die bis heute gültige umfangreichste Begriffsklärung sorgte:

„Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potenzielle Verwirklichung ... Gewalt ist das, was den Abstand zwischen dem Potenziellen und dem Aktuellen vergrößert oder die Verringerung dieses Abstandes erschwert.“

(Galtung, J.: Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 9)

Galtung hat auch die für die Diskussion über Gewalt in der Familie bzw. häusliche Gewalt wesentliche Unterscheidung zwischen personeller und struktureller Gewalt eingeführt.

Personelle Gewalt

Personelle Gewalt meint Gewalt zwischen zwei Menschen, wobei der Täter ein existierendes Machtgefälle zu seinem Opfer ausnützt oder ein solches schafft, um es anschließend auszunutzen.

Strukturelle Gewalt 

Strukturelle Gewalt weist auf ungleiche (gesellschaftliche) Verhältnisse hin, die Menschen in ihrer Entwicklung behindern oder sogar bedrohen.

Der Schweizer Gewaltforscher Alberto Godenzi erklärt das Fehlen eines einheitlichen Gewaltbegriffes in der Wissenschaft damit, dass Gewalt in erster Linie politisch definiert wird:

„Wer welche Handlung, welches Ereignis, welche Institution als gewalttätig definiert, hängt entscheidend vom sozialen Ort der evaluierenden Person ab. Gewaltdefinitionen sind Werturteile, auch dann, wenn die Forschenden die Bestimmung und den Bedeutungszusammenhang der Gewalt den unmittelbar beteiligten Personen überlassen.“

(Godenzi, A.: Gewalt im sozialen Nahraum, Basel/Frankfurt am Main 1994, S. 34)

Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Die Definition von Gewalt gegen Frauen und Mädchen wurde im internationalen Diskurs in den 1990er Jahren festgelegt. Im Abschlussdokument der Weltfrauenkonferenz, der Pekinger Erklärung und Aktionsplattform 1995, wird Gewalt gegen Frauen und Mädchen folgendermaßen definiert:

„Der Begriff ,Gewalt gegen Frauen‘ bezeichnet jede Handlung geschlechtsbezogener Gewalt, die der Frau körperlichen, sexuellen oder psychischen Schaden oder Leid zufügt oder zufügen kann, einschließlich der Androhung derartiger Handlungen, der Nötigung oder der willkürlichen Freiheitsberaubung in der Öffentlichkeit oder im Privatleben. Infolgedessen umfasst Gewalt gegen Frauen unter anderem folgende Formen:

  • körperliche, sexuelle und psychische Gewalt in der Familie, namentlich auch Misshandlung von Frauen, sexueller Missbrauch von Mädchen im Haushalt, Gewalt im Zusammenhang mit der Mitgift, Vergewaltigung in der Ehe, Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane und andere traditionelle, für die Frau schädliche Praktiken, Gewalt außerhalb der Ehe und Gewalt im Zusammenhang mit Ausbeutung;
  • körperliche, sexuelle und psychische Gewalt in der Gemeinschaft, so auch Vergewaltigung, Missbrauch, sexuelle Belästigung und Einschüchterung am Arbeitsplatz, an Bildungseinrichtungen und anderswo, Frauenhandel und Zwangsprostitution;
  • vom Staat ausgeübte oder geduldete körperliche, sexuelle und psychische Gewalt, wo immer sie auftritt.“

(United Nations: The Beijing Declaration and the Platform for Action, Fourth World Conference on Women Beijing, China, 4-15 Sept.1995, New York 1996).

In ähnlicher Form findet sich diese Definition bereits in der Deklaration zur Eliminierung jeder Form von Gewalt an Frauen (1993) und wurde auch im "Übereinkommen zur Verhütung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt" des Europarates, das Österreich 2011 ratifiziert hat, übernommen. Gewalt (an Frauen) wird darin als Menschenrechtsverletzung und als Diskriminierung definiert. Als solche ist sie ein gesellschaftliches Problem, das negative Auswirkungen auf die Staatengemeinschaft hat.

Literatur

  • [1] BMSG (Hg.): Gewalt in der Familie - Gewaltbericht 2001 (Gesamtdokument) Wien, 2002

    Weitere Informationen
    PDF, 2 MB
  • [2] Galtung, J.: Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung. Reinbek bei Hamburg, 1975
  • [3] Godenzi, A: Gewalt im sozialen Nahraum. Basel/Frankfurt am Main, 1994
  • [4] United Nations: The Beijing Declaration and the Platform for Action, Fourth World Conference on Women Beijing, China, 4-15 Sept.1995. New York, 1996