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zusammenLeben ohne Gewalt

THEMEN 2011

Gewalt in Institutionen

2010 ist es in Österreich wie auch in Deutschland, Irland, Italien, Frankreich und den USA den Opfern geglückt, den sexuellen Missbrauch in kirchlichen Internatsschulen zum Thema zu machen. Etwas später wurde auch das Ausmaß an psychischer, physischer und sexueller Gewalt oder Arbeitsausbeutung in öffentlichen Kinderheimen deutlich.

In der Mehrzahl waren Buben von Missbrauch v.a. in den kirchlichen Privatschulen aber auch von physischer und psychischer Gewalt in Heimen betroffen. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass bis in die 1970er Jahre mehr Buben in höhere Bildungseinrichtungen geschickt aber auch öfters in Heimen untergebracht wurden.

2010 haben die Träger der Einrichtungen (Kirche und die Landesregierungen) Kommissionen eingerichtet, mit deren Hilfe die tragischen Geschichten aufgearbeitet werden. Die wissenschaftliche Erforschung, mit der die Übernahme der Verantwortung einhergeht, ist den Opfern dabei ebenso wichtig, wie die finanzielle Entschädigung und das Angebot von offenen Ohren und/oder Therapien. Weil die Gewalt sowohl auf persönliches Fehlverhalten als auch auf strukturelle Mängel zurückzuführen ist, ist es für die Zukunft wichtig, Vorkehrungen zu treffen, die Kinder bzw. die Bewohner/innen von Heimen stärken und Standards in den Einrichtungen einzuhalten, die Gewalt nicht entstehen lassen.

Leitfaden für gewaltfreie sozial-/pädagogische Einrichtungen

Arno Dalpra ist in seinem Beitrag "Verantwortung und Schuld verjähren nicht" überzeugt, dass körperliche/sexualisierte Übergriffe innerhalb einer Organisation mit dem Drei-Säulen-Modell „Prävention-Konsequenzen-Hilfestellung“ vermieden werden kann. Prävention heißt: eine Politik der offenen Türen, Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung, Information für Mitarbeiter/innen und Klient/innen, Berufsrichtlinien. Konsequenzen heißt: gesetzliche und administrative Maßnahmen, transparente Information, Qualitätssicherung, obligate Rehabilitation. Hilfestellung für Opfer und ihre Angehörigen, Täter/innen, Fachleute und Mitarbeiter/innen.

Ingo Bieringer geht in seiner Expertenstimme „... also haben wir die Macht übernommen“ davon aus, dass Eskalationen Hinweise auf Organisationskonflikte sein und zu deren Lösung anregen können.

Literatur

  • [1] Reinhard Sieder / Andrea Smioski: Gewalt gegen Kinder in Erziehungsheimen der Stadt Wien. Endbericht. 2012
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