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zusammenLeben ohne Gewalt

Männergesundheit und Konfliktkompetenz

Expertenstimme

Mag Martin Christandl

Mag. Martin Christandl

Mag. Martin Christandl

„Hauptsache gesund...“ Männergesundheit und Konfliktkompetenz

Wenn Gesundheit als körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden zu verstehen ist (Definition der Weltgesundheitsorganisation), dann ist die Stärkung der Konfliktkompetenz ebenso Gesundheitsförderung wie Gewaltprävention.

Der Fokus der Männerberatung Mannsbilder liegt nicht bei Krankheit und Defiziten, sondern bei den Ressourcen und den gesunden Potenzialen von Männern. Impulse zur Stärkung der Männergesundheit und den Auf- und Ausbau von psychosozialen Kompetenzen von Männern und männlichen Jugendlichen stehen im Zentrum unserer Arbeit.

Im Rahmen des Projektes Männergesundheit und Konfliktkompetenz setzen wir im Sinne der „Gender-Based-Medicine“ – wie sie die Europäische Union von ihren Mitgliedsstaaten fordert – und auch gemäß der „Wiener Erklärung über die Gesundheit von Männern und Jungen in Europa“ (2005) an folgenden vier Punkten an:

  • Sensibilisierung für Männer- und Jungengesundheit:

    Ziel ist die Förderung eines hohen Maßes an physischer und psychischer Gesundheit bzw. des Wohlbefindens von Männern und Burschen. In den Beratungsgesprächen versuchen wir die ganzheitliche Sicht von Gesundheit verständlich zu machen. Unser gut angefragter Zugang zu Männern und männlichen Jugendlichen macht es uns möglich, ihre Eigenmotivation für eine gesunde Lebensführung zu fördern und zu verstärken. Dafür ist es notwendig, manche klischeehaften Männerbilder, die eine gute Selbstfürsorge verhindern, in Frage zu stellen.
  • Verständliche und bedürfnisgerechte Gesundheitsinformation und Gesundheitsberatung:

    Männer und Burschen sind in der Regel nur oberflächlich und unzureichend in Gesundheitsfragen informiert. Ihre Angst, im Gesundheitssystem als krank, psychisch krank oder als süchtig abgestempelt zu werden, hält sie oft davon ab, rechtzeitig ärztlicher Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir informieren und ermutigen sie, mit Mediziner/innen ihres Vertrauens gesundheitsrelevante Fragen anzusprechen.

    Die gesundheitliche Versorgung könnte durch die Vernetzung des Gesundheitssystems und der psychosozialen Einrichtungen in „Men's-Health- Plattformen" verbessert werden. Diese sollen verständliche Gesundheitsinformationen für Männer und männliche Jugendliche erarbeiten.

  • Zusammenhang und Wechselwirkung von Gesundheit und Gewalt:

    Männer und männliche Jugendliche, die gesundheitliche und/oder seelische Probleme haben, zu viel Alkohol konsumieren usw., haben deutlich weniger Möglichkeiten, ihre Gewalttätigkeit zu stoppen. Ihre Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung ist durch die körperlichen und/oder seelischen Beschwerden beeinträchtigt und reduziert so in Folge auch ihre soziale Wahrnehmung. Sie sind häufig nicht fähig, ihre Gewaltbereitschaft richtig einzuschätzen und haben deshalb den persönlichen Eindruck, dass die Gewalt ihnen „passiert“ bzw. über sie kommt. So soll für die Männerberatung eine ganzheitliche Gesundheitsberatung eine zentrale Voraussetzung und Bedingung werden für eine erfolgreiche Gewaltberatung.

    Gewalttätiges Verhalten stellt immer eine massive Beeinträchtigung der Gesundheit aller Beteiligten dar. Gewalt zerstört nicht nur jede Form von Wohlbefinden, sie gefährdet im schlimmsten Fall das Leben des Opfers und damit die gesellschaftliche Existenz des Täters, er landet im Gefängnis. Selbst Zeugen von Gewalt leiden nicht selten unter einem emotionalen Schock, der oft längerfristige seelische und psychosomatische Probleme hervorrufen kann. Für den Täter ist jede Gewalttat ein seelischer Rückschlag, eine Beeinträchtigung und eine weitere Verschlechterung der Impulskontrolle und der wichtigen Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation. Sie führt zu einer Verzerrung seiner Wahrnehmung, seines Denkens und Bewertens von Verantwortung und damit zu einer Minderung seiner Beziehungsfähigkeit und seines Mitgefühls.

  • Impulse für eine Sinn-erfüllte Lebensführung:

    Warum und wozu sollen Männer und Burschen sich mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen? Gerade in Zeiten, in denen Funktionalität das Leben dominiert, fehlen die Räume, wo sich Männer mit den Wozu- und Warum-Fragen auseinandersetzen können. Wir wollen in der Männerberatung im Sinne einer ganzheitlichen Gesundheitsberatung gerade auch dafür ein „Kraft-Raum“ sein: Sicher nicht indem wir fertige Antworten in Richtung Sinn und Werte haben, sondern indem wir Zeit und Achtsamkeit und Fragen für das persönliche Finden von Sinn und Wert im je subjektiven Leben von Männern und Burschen bereitstellen. Wohlbefinden ist für uns erst dann möglich, wenn wir das subjektive Gefühl und Empfinden haben, ein sinnerfülltes Leben zu führen.

Mag. Martin Christandl, Psychologe, Psychotherapeut, Leiter der Männerberatung Mannsbilder Tirol