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zusammenLeben ohne Gewalt

THEMEN 2021

Jugendbücher zum Thema "Gewalt in der Familie"

Portrait Renate Tanzberger

Renate Tanzberger

Expertinnenstimme

Renate Tanzberger

Der Verein EfEU ist seit 1994 Teil der Plattform gegen die Gewalt in der Familie und hat in seiner Arbeit immer wieder einen Schwerpunkt auf Jugendliteratur[1] gesetzt.

So auch im Jahr 2020, in dem wir begannen, eine kommentierte Empfehlungsliste von Jugendbüchern zu erstellen, die das Thema „Gewalt in der Familie" behandeln.

Dabei war es uns wichtig, dass verschiedene Formen von Gewalt – neben körperlicher auch psychische und sexuelle Gewalt, Homonegativität, Rassismus ... – sichtbar werden.

Im Bereich der Ächtung von Gewalt hat sich auch auf gesetzlicher Ebene viel getan:

  • mit der Familienrechtsreform 1975 wurden die Stellung des Ehemanns als Oberhaupt der Familie und die väterliche Gewalt über die Kinder beendet,
  • 1989 wurde in Österreich Vergewaltigung innerhalb der Ehe strafbar sowie
  • mittels des Kindschaftsrechts-Änderungsgesetz das Gewaltverbot in der Erziehung eingeführt,
  • das Gewaltschutzgesetz von 1995 ermöglichte es von häuslicher Gewalt Betroffenen in der vertrauten Umgebung zu bleiben, während die gewalttätige Person die gemeinsame Wohnung verlassen muss.

Trotzdem erleben Jugendliche tagtäglich Gewalt in der Familie: indem sie häusliche Gewalt miterleben oder indem sie der Gewalt direkt ausgesetzt sind.

Wir erachten es daher als sehr wichtig, "Gewalt in der Familie" zu thematisieren. Und Jugendbücher stellen dabei eine Möglichkeit dar. Sie können sowohl zur Gewaltprävention beitragen, als auch Jugendlichen, die von Gewalt in der Familie betroffen sind, zeigen, dass sie nicht alleine sind, und ihnen (im besten Fall) Auswege eröffnen.

In diesem Zusammenhang verstehen wir die Empfehlungsliste auch als ein Tool, das wir Multiplikator*innen zur Verfügung stellen wollen, spielen diese doch bei der Vermittlung des Themas eine wichtige Rolle. Durch die Empfehlungsliste sollen beispielsweise Deutschlehrer*innen Unterstützung bekommen, um sich des Themas im Unterricht anzunehmen.

Wenn Sie Jugendbücher zum Thema "Gewalt in der Familie" im Unterricht behandeln, empfehlen wir auf jeden Fall auch Kontaktadressen zur Verfügung zu stellen, damit Jugendliche, die von dieser Form von Gewalt betroffen sind (oder jemand kennen, der*die betroffen ist), wissen, an welche Stellen sie sich wenden können. In der Jugendbuch-Empfehlungsliste sind diverse Beratungsstellen angeführt.

Ebenso sei an dieser Stelle auf den Leitfaden "(K)ein sicherer Ort - Kindeswohlgefährdung erkennen und helfen" verwiesen, der sich an Fachkräfte in pädagogischen, psychosozialen und Gesundheitsberufen richtet, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Neben rechtlichen Informationen und Definitionen verschiedener Gewaltformen zeigt der Leitfaden auf, welche Möglichkeiten es gibt, betroffene Kinder/Jugendliche zu unterstützen.

Zur Empfehlungsliste

Nach einer ausführlichen Recherche haben wir 28 Jugendbücher gelesenen, 14 davon ausgewählt und sie näher beschrieben. Nach den „hard facts" (Titel, Autor*in, Erscheinungsjahr und -ort, Verlag, Seitenzahl etc.) folgt eine Altersempfehlung. Der Inhalt des Buches wird in wenigen Sätzen beschrieben und die Gewaltthemen, die das Buch behandelt, werden aufgelistet.

Wer sich näher über eines der Jugendbücher informieren möchte, kann dies mittels der angeführten Rezensionen tun. Anschließend führen wir einige Aspekte an, warum wir das jeweilige Buch empfehlen würden, aber auch, was uns nicht so gut daran gefallen hat. Bei einigen Büchern finden sich noch zusätzliche Tipps (wenn es beispielsweise eine Handreichung zum Buch für Lehrer*innen gibt).

Bei den ausgewählten Büchern finden sich vier männliche und zehn weibliche Protagonist*innen, die von Gewalt betroffen sind, fast alle von körperlicher Gewalt (manchmal bis hin zu versuchtem Mord), immer wieder auch in Verbindung mit psychischer Gewalt. Gleichzeitig haben wir gezielt nach den Themen sexuelle Gewalt, Homonegativität und Vernachlässigung gesucht.

Bei einem Großteil der ausgewählten Bücher ging die Gewalt vom Vater, manchmal auch vom Großvater, Stiefvater oder Freund der Mutter aus, nur in drei der 14 Bücher von der Mutter.

Unser Hauptaugenmerk lag auf Jugendliteratur, die auf Deutsch erhältlich ist, wir haben aber auch bewusst Bücher ausgewählt, die nicht nur im deutschsprachigen Raum spielen (neben Österreich, Deutschland und der Schweiz sind daher auch Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Nigeria und die USA vertreten).

Möglicherweise sind uns wichtige Bücher entgangen, aber bei den von uns recherchierten Jugendbüchern haben wir festgestellt, dass manche Themen zu wenig abgedeckt wurden. Wir würden uns mehr empfehlenswerte Jugendbücher wünschen, die

  • Homonegativität oder Rassismus innerhalb der Familie,
  • Gewalt, die von weiblichen Familienangehörigen, etwas weiter entfernten Verwandten oder von Geschwistern ausgeht,
  • Einschränkungen und Gewalt aufgrund von religiösem Fundamentalismus,
  • sexuelle Gewalt

thematisieren. In diesem Sinne verstehen wir diese Liste auch als „work in progress" und freuen uns, wenn Sie uns Hinweise auf weitere empfehlenswerten Jugendbücher zum Thema „Gewalt in der Familie" schicken (Kontakt: verein@efeu.or.at). Unser Ziel ist es, die Liste immer wieder zu aktualisieren.

Wir hoffen, dass Sie einen Blick in die Empfehlungsliste (PDF) werfen und sich davon anregen lassen, das eine oder andere Buch zu lesen.

[1] Vgl. Sammlung von Titeln und Rezensionen von Jugendliteratur mit Mädchen mit Migrationshintergrund als Handlungsträgerinnen (2005, 2007 – s. http://efeu.or.at/seiten/mainrez_migration_jugendbuch.html); Workshops "Heimat ist nicht nur ein Land – Mädchen mit Migrationshintergrund in der Jugendliteratur" in allen neun Bundesländern (2009); Lesung zum Thema „Kinder- und Jugendliteratur jenseits von Geschlechterklischees" in der Stadtbücherei Hartberg (2015), Materialiensammlung für die Arbeit mit Jugendlichen zum Thema LGBTIQ* (2018 – s. http://efeu.or.at/seiten/download/Materialiensammlung%20
LGBTIQ_2018_efeu.pdf)

Renate Tanzberger: Obfrau des Vereins EfEU, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Thematik "Bildung und Geschlecht", liest leidenschaftlich gerne.

Literatur

  • [1] Amt der Burgenländischen Landesregierung: Gewalt an Kindern erkennen und handeln. Eine Information für Personen der Lehre, der Pädagogik sowie Betreuerinnen und Betreuer in Kindereinrichtungen. O. O., o. J. Download
    PDF
  • [2] (K)ein sicherer Ort - Kindeswohlgefährdung erkennen und helfen - Ein Leitfaden. Bundeskanzleramt - Sektion Familie und Jugend, 2020
    Die vorliegende Broschüre soll all jenen helfen, die auf einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung richtig reagieren wollen. Wichtig ist: Bei der Aufklärung von Gewalt- und Missbrauchsfällen ist Zivilcourage von entscheidender Bedeutung.

    Weitere Informationen
    PDF, 553 kB
  • [3] Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung: Sexuelle Gewalt. Leitfaden für Pädagoginnen und Pädagogen – Rechtliche Situation. Wien, 2018
    PDF
  • [4] Selbstlaut: Achtsame Schule. Leitfaden zur strukturellen Prävention von sexueller Gewalt. Wien, 2020
    PDF
  • [5] Tanzberger Renate, Lobnig Naomi: Jugendbücher zum Thema „Gewalt in der Familie“. Kommentierte Empfehlungsliste. Verein EfEU, Wien, 2021
    PDF
  • [6] Wolf, Birgit: Gewalt an Frauen* und mitbetroffene Kinder im Medienkontext. Ein Forschungsdossier. Bundeskanzleramt, Sektion VI Familie und Jugend, Abteilung VI/2 Kinder- u. Jugendhilfe, 2021
    Version PDF-PRINT
    PDF, 685 kB
  • [7] Zentrum polis – Politik Lernen in der Schule: Schauplatz Familie: Gewalt gegen Frauen und Kinder. In: Polis aktuell 6/2010 (aktualisiert 2014).
    PDF

www.gewalt-ist-nie-ok.at
Die Website des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) stellt in vielfältiger Form (mit Geschichten, Videos, Tests …) Informationen zu häuslicher Gewalt für Kinder und Jugendliche zur Verfügung (auf Deutsch und Türkisch verfügbar).