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zusammenLeben ohne Gewalt

THEMEN 2022

"Gewalt gegen Mädchen und Frauen" … ein Thema für die Schule?

Portrait Renate Tanzberger

Renate Tanzberger

Expertinnenstimme

Renate Tanzberger

Von 25. November bis 10. Dezember finden auch heuer wieder die 16 Tage gegen Gewalt an Mädchen und Frauen statt. Der Zeitraum, der international genützt wird, um auf das Recht auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam zu machen, beginnt mit dem "Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen" und endet mit dem "Internationalen Tag der Menschenrechte".

Der Website "autonome österreichische Frauenhäuser" ist zu entnehmen, dass sich Österreich seit 1992 an der Kampagne beteiligt. Wie notwendig dies nach wie vor ist, zeigt sich an der hohen Anzahl an Femiziden[1] in Österreich. Diese stellen aber nur die Spitze eines Eisbergs da. Zwar hat sich auf gesetzlicher Ebene seit Mitte der 70er-Jahre in Österreich viel im Bereich Gewaltschutz getan, aber häusliche Gewalt ist im Leben von Mädchen und Frauen nach wie vor viel zu präsent.

Der Verein EfEU beschäftigt sich seit 1986 mit Geschlechterbildern und -normen, vor allem im Bereich "Bildung". Und dabei interessiert uns auch, wie Geschlechtervorstellungen und Gewalt zusammenhängen. Als Teil der Plattform gegen die Gewalt in der Familie konnten wir schon diverse Projekt im Bereich der Gewaltprävention durchführen.

Veranstaltungen

Heuer bietet EfEU innerhalb der 16 Tage gegen Gewalt zwei Veranstaltungen an, bei denen Lehrer:innen und andere Interessierte Anregungen erhalten, wie sie "Gewalt in der Familie" in ihrer Arbeit mit Jugendlichen thematisieren können.

  • Am Freitag, 25. November 2022 werden von 17:00 - 18:00 Uhr im Rahmen einer Online-Präsentation Jugendbücher zum Thema "Gewalt in der Familie" vorgestellt. In Verbindung damit, aber auch unabhängig davon, kann
  • am Montag, 28. November 2022 von 14:30 - 17:30 Uhr ein Workshop "Gewalt in der Familie im Unterricht thematisieren" im Verein EfEU besucht werden.

Warum macht es Sinn, häusliche Gewalt in der Schule zu thematisieren?

Kinder / Jugendliche, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, besuchen die Schule. Daher ist es wichtig, dass sie dort erfahren, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht alleine sind und, dass Ansprechpersonen für sie da sind. Wir können dabei davon ausgehen, dass es einen großen Unterschied macht, ob Schulen eine Offenheit dem Thema gegenüber kommunizieren oder häusliche Gewalt tabuisieren.

Helfen setzt Erkennen voraus und Erkennen wird erleichtert, wenn in Schulen klare Abläufe bekannt sind, wie zu (re)agieren ist, wenn Verdacht auf häusliche Gewalt besteht.

Aber auch für Schüler:innen, die selbst keine häusliche Gewalt kennen, macht es Sinn, diese zum Thema zu machen. Zum einen, weil sie vielleicht Freund:innen haben, die Unterstützung brauchen, zum anderen, weil sie selbst vielleicht einmal in einer Paarbeziehung sind oder Kinder bekommen und das Ziel wäre, dass auch dann das Recht auf ein gewaltfreies Leben zu tragen kommt.

Wir vom Verein EfEU sind im Präventionsbereich tätig. Daher wird unser Part bei den beiden Veranstaltungen sein, Materialien vorzustellen, wie häusliche Gewalt in der Schule thematisiert werden kann (mittels Jugendbücher, Websites, Videos, ...).

Michaela Sodl (Psychagogin an Wiener Pflichtschulen) wiederum wird der Frage nachgehen: "Was benötigen Pädagog:innen, um sich im Umgang mit möglicher persönlicher Betroffenheit einzelner Jugendlichen sicher zu fühlen, falls Sie im Unterricht zu häuslicher Gewalt arbeiten?" Daher wird es neben einem Input zu schulischen und externen Unterstützungsangeboten und zum Umgang bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung auch Raum für Austausch über Handlungsmöglichkeiten geben. Damit sollen die Pädagog:innen mit ihren Fragen ernst genommen und im professionellen Handeln unterstützt werden.

Wenn Sie neugierig geworden sind und mehr über die zwei Veranstaltungen wissen wollen (die im Rahmen der BKA-Plattform gegen die Gewalt in der Familie gratis angeboten werden können), besuchen Sie unsere Website efeu.or.at.

Zum Schluss noch ein weiterer Veranstaltungshinweis, der sich an alle richtet, die Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit thematisieren und dadurch gewaltpräventiv arbeiten wollen; also an Lehrpersonen, Mitarbeiter:innen der außerschulischen Jugendarbeit, aber auch an Personen, die im Bereich Integration arbeiten, an Fortbildner:innen im Genderfeld oder an Mitarbeiter:innen der sozialen Arbeit (z. B. von Frauenhäusern, Pensionist:innenclubs, Senior:innenheimen).

Im Rahmen der 16 Tage gegen Gewalt präsentieren wir an drei Terminen Spiele aus unserer Spielesammlung "Gleichstellung spielerisch thematisiert", wobei wir einen Schwerpunkt auf Gewalt gegen Mädchen* und Frauen* legen. Wir haben dafür dreistündige Workshops für Personen konzipiert, die diese Spiele ausprobieren und selbst einsetzen wollen (in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, in der Erwachsenenbildung, aber auch im Privatbereich). Die Spiele sind für Personen ab 13 Jahren gedacht, können adaptiert aber auch mit Jüngeren gespielt werden.

Workshops, bei denen die Spielesammlung präsentiert sowie jeweils ein Spiel vorgestellt und in der Gruppe erprobt wird:

Wo:

  • Verein EfEU, Untere Weißgerberstraße 41, 1030 Wien
  • Hauptbücherei, Urban Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Wann:

  • Dienstag, 29. November 2022, 16:00 - 19:00 Uhr
    (Vorstellen des Spiels "Meilensteine")
  • Montag, 5. Dezember 2022, 16:00 - 19:00 Uhr
    (Vorstellen des Spiels "Biografien")
  • Mittwoch, 7. Dezember 2022, 16:00 - 19:00 Uhr
    (Vorstellen des Spiels "Millionenshow")

Die Termine sind auch einzeln buchbar und können dank einer finanziellen Unterstützung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung gratis angeboten werden. 

Nähere Informationen (Anmeldeschluss, Downloadlink zur Spielesammlung, ...) 

Wir würden uns sehr freuen, Sie bei der einen oder anderen Veranstaltung begrüßen zu dürfen.

[1] Unter Femizid wird die Tötung von Frauen (und Mädchen) aufgrund ihres Geschlechts verstanden, wobei die Tat meist von Männern aus dem nahen sozialen Umfeld ausgeht. Der Begriff soll auch dafür sensibilisieren, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt, sondern hier patriarchale Strukturen zum Tragen kommen und daher auch der Staat aufgerufen ist, Maßnahmen zu setzten, um die Zahl der Femizide zu verringern.

Renate Tanzberger ist Obfrau des Vereins EfEU, sie beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Themenfeld "Geschlecht und Bildung", publiziert und bildet fort zu gendersensibler Pädagogik, Gewaltprävention, Berufsorientierung, ... und liest sehr gerne (auch Kinder- und Jugendbücher).

Literatur

  • [1] Tanzberger, Renate/Schneider, Claudia/ Lobnig, Naomi: Gleichstellung spielerisch thematisiert. Wien, 2020
    PDF
  • [2] Tanzberger Renate, Lobnig Naomi: Jugendbücher zum Thema „Gewalt in der Familie“. Kommentierte Empfehlungsliste. Verein EfEU, Wien, 2021
    PDF
  • [3] Wiener Netzwerk: Gewalt bei Kindern und Jugendlichen in Zeiten von gesellschaftlicher und politischer Ungewissheit. 2021
    Dokumentation der 18. Fachtagung vom Netzwerk gegen sexuelle Gewalt an Mädchen, Buben und Jugendlichen
    PDF
  • [4] (K)ein sicherer Ort - Kindeswohlgefährdung erkennen und helfen - Ein Leitfaden. Bundeskanzleramt - Sektion Familie und Jugend, 2020
    Die vorliegende Broschüre soll all jenen helfen, die auf einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung richtig reagieren wollen. Wichtig ist: Bei der Aufklärung von Gewalt- und Missbrauchsfällen ist Zivilcourage von entscheidender Bedeutung.

    Weitere Informationen
    PDF, 553 kB
  • [5] Tatort Familie polis aktuell, 2021

    Weitere Informationen

16 Tagen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
Website des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) zu dieser Initiative. Hier findet sich (demnächst) auch der Kalender mit einer Reihe von Veranstaltungen anlässlich der 16 Tage gegen Gewalt.

Gewalt ist nie okay
Website des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) mit Informationen über häusliche Gewalt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Hinter der Fassade. Gegen Gewalt zuhause.
Eine Website vom Gewaltschutzzentrum OÖ und der KiJA OÖ

Videokampagne "Stopit"
Videokampagne „Stopit“ mit 3 Kurzfilmen zu physischer, psychischer Gewalt und Zwangsheirat

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